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Freiheit. Ein Thema, über das ich mir schon länger sehr viele Gedanken mache. Was ist echte Freiheit? Bin ich wirklich frei?

In der westlichen Welt, gerade hier in Deutschland, ist uns eigentlich alles gegeben, was man unter dem offensichtlichen Begriff der Freiheit versteht. Wir dürfen Glauben und Meinung frei äußern, dürfen frei wählen, wo und wie wir leben, wen wir heiraten, welchen Job wir machen wollen und wohin unsere nächste Reise gehen soll. 

Der physischen Freiheit beraubt, wird man nur zur Strafe. Als Konsequenz, wenn man aus freiem Willen etwas getan hat, was einem anderen unmittelbar schadet. Und das ist auch nach einer gewissen Zeit gesühnt und die Freiheit kehrt zurück. Letztlich lebt hier doch jeder in Freiheit, im Gegensatz zu so vielen Menschen in anderen, großen Teilen der Welt, oder?

Aber sind nicht dennoch so viele Menschen irgendwie gefangen? Gefesselt in sich selbst und psychisch unfrei, abhängig und unter Zwang?

Mir ist das vor einer ganzen Weile auch bei mir aufgefallen und ich war sehr schockiert darüber, wie unfrei ich in dieser freien Welt doch lebe. Ich war regelrecht eingesperrt in mir selbst. Geknebelt von meiner Vergangenheit und erdrückt von Fehlern, die ich vor langer Zeit gemacht habe. Abhängig und beäugt von den Blicken anderer, war ich immer unter Druck, mich zu Gunsten dieser Menschen ‘richtig’ zu verhalten. Ich war immer bedacht das zu tun, was von mir verlangt wird und am Besten ins Bild passt. Ich war gefangen in utopischen Anforderungen von mir an mich selbst und Sklave von unerfüllbaren Wunschvorstellungen. Ich war nicht fähig, frei meinen Wünschen, Träumen und Talenten nachzugehen, weil es ein unkonventionelles Leben bedeuten würde. Unfrei, mit Traditionen und Gewohnheiten zu brechen und definitiv unfrei, zu sein wer und wie ich bin. In ALLEN meinen Farben, ehrlich und echt.

So viele Faktoren, die mich zeitweise nahezu meiner gesamten, inneren Freiheit beraubt haben. Und auch, wenn andere Menschen vielleicht einen kleinen Anteil dazu beigetragen haben, so war doch in erster Linie ich selbst es, die mir die Fesseln angelegt hat. Ich habe der Vergangenheit, meinen Schuldgefühlen, Ängsten, anderen Menschen und Umständen den Raum gegeben, mich in Ketten zu legen. Und nur ich bin es, die den Schlüsselbund zu meiner eigenen Freiheit in den Händen hält. Ich allein habe die Entscheidungsgewalt, etwas zu ändern, nicht andere. Und darauf zu warten, dass sich äußerlich etwas ändert, nimmt mir die Fesseln auch nicht ab. Ich muss handeln. 

Bei einem Schlüsselbund ist mehr als eine Entscheidung nötig und Freiheit in all ihren Facetten erfordert eine erstaunliche Menge Mut und bringt eine gewisse Ungewissheit mit sich. Ich muss aktiv raus ins blendende Sonnenlicht treten, mich meinen Ängsten stellen und mich in einigen Bereichen des freien Lebens neu eingliedern, wenn ich lange Zeit nur das dunkle Zellendasein gewohnt war. Es ist manches Mal furchteinflößend und nicht alles gelingt auf Anhieb. Das ein oder andere Schloss wird verrostet sein und klemmen, aber wieder ein anderes wird freudig aufspringen. 

Ich habe vor einiger Zeit damit begonnen, Schlüssel um Schlüssel umzudrehen und mich für MEINE ganz persönliche FREIHEIT entschieden. Eine Teilstrecke liegt vor mir, einige weitere werden noch kommen. Und ich bleibe entschlossen. Mit Respekt, Liebe und Freude meinen Mitmenschen gegenüber, aber mit ebenso viel davon für mich selbst. 

Der Freiheitsschlag tut manchmal weh und hinterlässt manchmal Narben und Druckstellen. So auch bei mir. Doch sind sie ein erträglicher Preis für das, was diese verwundeten Hände danach halten werden. 

Freiheit, Authentizität, Kreativität, Liebe und Freude. Glück. Leben. Leichtigkeit. Frieden.