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Lange habe ich überlegt, wie ich meine Gedanken zur Musik, meine Geschichten und lyrischen Texte zusammen fasse. Sollte es ein Blog werden oder eine Plattform, die sich mehr auf Lyrik bezieht? Das war mir alles zu unpersönlich, zu engstirnig, zu unpassend für das, was ich mir vorstelle. Da lief mir das Wort ‘Journal’ über den Weg. Als ich kurz darüber nachdachte, war es wie in Stein gemeißelt. Das sollte es werden, denn es beschreibt perfekt, um was es mir geht.

Das Wort ‘Journal’ stammt eigentlich aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Schiffstagebuch. Ich hatte den Begriff mit ‘Journey’ in Verbindung gebracht, was ‘Reise’ bedeutet. Ich befinde mich seit ein paar Jahren auch auf einer Reise. Auf der wohl größten und anspruchsvollsten meines Lebens. Auf der Reise in mein Innerstes, zu mir selbst. Vergleichbar mit der Fahrt eines Schiffes auf dem weiten Meer. Dem Meer, das so viele Facetten hat. So schön, so ruhig, so beseelt, aber auch so wild, gewaltig, ungestüm und scheinbar unendlich. Dieses Journal soll mein Schiffstagebuch werden, in dem ich Gedanken, Ideen, Erfahrungen, Freude und Leid, Leidenschaft, Liebe und Sehnsucht nieder schreibe, der Schönheit verschiedenster Formen Raum gebe, Gefühle ausdrücke und verarbeite und die kleinen und großen Schritte meiner ganz persönlichen Reise fest halte.

„Der Weg ist das Ziel“, sagt man so schön. Das ist mir gerade in der letzten Zeit sehr bewusst geworden. Als ich mich vor etwa 3 Jahren auf besagte Reise begeben habe, war ich sehr fokussiert darauf, ein Kapitel meiner Kindheit zu bearbeiten und endgültig abzuhaken, heil zu werden. Das war mein Ziel. Und der Weg war steinig und hart, aber es hat sich gelohnt und bezahlt gemacht. Bis heute. Dass das jedoch im Rückblick kein Ziel war, mit dem eine Reise endet, sondern nur ein erster Meilenstein auf meinem Weg, damit hatte ich nicht gerechnet. Seitdem erscheinen immer wieder neue Themen vor meinem inneren Auge, denen ich mich stellen will, die mich beschäftigen, mich inspirieren, erfreuen oder einfach nachdenklich machen. Dinge, die mich belasten, Fragen, die ich immer von mir geschoben und Gewohnheiten, die ich blind übernommen habe. Fußspuren, in denen ich gegangen bin, die gar nicht meine waren, in Schuhen, die mir nie gepasst haben. Geschichten, die mich bewegen, Musik, die oft mehr von mir preis gibt, als ich es selbst je könnte, die Freude an den kleinen Dingen des Lebens und die Liebe.

Das eigentliche Ziel ist es, die bestmögliche Version von mir selbst zu werden. Mit Herz und Seele, Körper und Geist. Aber der Weg dorthin wird womöglich mein ganzes Leben lang dauern und das ist gut so. Leben bedeutet ständiger Wandel, mal ist es leicht und beflügelnd, doch oft auch sehr hart und letztlich ein riesiges Chaos, eine Berg- und Talfahrt, von der ich ein Schleudertrauma nach dem anderen verpasst zu bekommen scheine. Immer wieder muss ich bewusst Ruhe suchen, um nicht durch zu drehen. Dinge tun, die mich erfüllen, die mir Freude machen, die meinem Innersten in irgendeiner Form Ausdruck verleihen. Immer wieder aufs Neue muss ich mich zum Kern zurück manövrieren, mich fragen, wo ich gerade stehe, wohin ich will und wie der Weg dahin aussehen kann.

Kürzlich habe ich einen Bericht über das Pilgern gelesen. Menschen auf dem berühmten Jakobsweg berichten davon, dass es drei Dinge gibt, die diese besondere Art zu reisen so einzigartig machen. Erstens die Konfrontation mit dem Ich in völliger Stille. Zweitens die Begegnung mit Menschen, die diesen Weg teilen. Manche ein ganzes Stück, manche, die den Weg nur kurz kreuzen. Drittens die Schönheit der Wildnis und die zahlreichen Facetten der Natur.

Das hat mich an mich und meinen Wunsch, diese Seite zu starten, erinnert. Ich möchte mich finden, mich mit meiner Seele beschäftigen und diese Erfahrungen mit Menschen teilen, die sich auch auf diesem oder einem ähnlichen Pfad befinden, die einfach an den Gedanken teilhaben wollen oder etwas Gutes für sich aus Geschichten, Musik, Lyrik und Bildern mitnehmen.

Außerdem möchte ich etwas Bleibendes hinterlassen. Eine Art persönliches Gedankengut für die Menschen, die ich liebe, die mich lieben, die ein Teil von mir sind und solche, die es noch werden.

Manchmal betrachte ich mein Leben vom Ende her. Wenn die Zeit gekommen ist, das letzte Schiff zu nehmen. Und keiner weiß, wann dieser Tag kommen wird. Und mein innigster Wunsch ist es, meinem Lebensziel bis dahin so nahe wie möglich gekommen zu sein. Aber vor allem geliebt zu haben, mit allem was in mir ist, nichts zu bereuen und meine Leidenschaft zu Mensch und Tier, zur Musik, zum Schreiben, zum Leben offen gelebt und geteilt zu haben.

Um all diese Gedanken zu sortieren, habe ich mich nach etwas gesehnt, das alles, was mich ausmacht, vereint. Etwas, in dem ich meiner Kreativität freien Lauf lassen kann, was Ehrlichkeit und Authentizität zulässt, gleichzeitig Spaß macht und trotzdem menschlich und wertvoll bleibt. Wo Platz ist für alles, was mich bewegt. Wo die Musik lebendig und fühlbar ist, wo geschriebene Worte berühren, Geschichten bewegen, Bilder für sich sprechen und das Leben in all seinen Farben sein darf.

So reise ich also jetzt diesen neuen Erfahrungen gespannt entgegen und freue mich über jeden Weggefährten, der ein Stück mit mir geht.

Alles Liebe, Johanna