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Was genau ist Musik für mich und wie drücke ich das leidenschaftlich aus? Bei diesem Thema weiß ich wirklich kaum, wo ich anfangen soll und wahrscheinlich werde ich immer und immer wieder neue Gedanken zur Musik aufschreiben und werde niemals alles gesagt haben.

Ich kann mich schlichtweg nicht daran erinnern, dass es irgendwann in meinem Leben mal KEINE Musik gab. Ich kann mich auch absolut nicht zurück entsinnen, dass es irgendwann in meinem Leben einmal eine Zeit gegeben hat, in der ich nicht gesungen hätte.

Die Musik ist also seit ich denken kann, ein Teil meines Lebens. Ein Entscheidender! Ein Teil von mir. Immer gewesen und das wird auch so bleiben. 

In der Musik fühle ich mich immer verstanden und aufgefangen. Ich kenne kein Gefühl, keinen Gedanken, zu dem es keine passende Musik gäbe. Keinen Schmerz, der sich nicht in der Musik wieder findet, keine Liebe, die Musik nicht beschreiben könnte, keine Freude, die nicht in eine Melodie passt und keine Geschichte, die Musik nicht erzählen könnte. 

Schon als Kind habe ich eine breite Sparte von Musik gehört. Man möchte meinen, sogar relativ untypisches Zeug für ein Mädchen von 5 Jahren. Einerseits Andrea Bocelli und Musicals wie Les Miserables hab ich rauf und runter gehört, Rock/Pop wie die Kelly Family, Evanescence, Bon Jovi und Co. habe ich durch die Dauerbeschallung durch meine große Schwester automatisch mitbekommen, ein absoluter SilbermondFan der 1. Stunde bin ich und so haben sich die verschiedensten Sparten bis heute sehr vielschichtig heraus gebildet. Ich höre absolut gerne die neue deutsche Musik, wie Gregor Meyle und Alexander Knappe, ich liebe Klavier, von Beethovens Mondscheinsonate, über Yiruma bis hin zu Ludovico Einaudi. Dann mag ich die meist akustischen Sessions der Singer-Songwriter-Fraktion aus aller Welt, wie Birdy, Passenger und so viele mehr. Unmöglich, sie alle aufzuzählen. 

Was ich damit sagen will, ist dass ich Musik immer dann am liebsten habe, wenn sie echt ist. Egal, aus welcher Rubrik. Ich liebe Musik, wenn ich ihre Tiefgründigkeit und Echtheit spüren kann. Wenn die Menschen, die Texte, die sie singen selbst geschrieben haben oder ihre eigene Geschichte in die Zeilen, in ihre Stimme, ihre Instrumente legen. Wenn ich spüren kann, welche Emotionen der Künstler in seine Werke legt. Wenn mich Musik zum Nachdenken, Weinen, Lachen, Lieben und Erinnern animiert. Wenn die Musik mir Bilder in den Kopf sendet, in denen ich mich wieder finde. Wenn die Musik eines anderen es schafft, meine Geschichte zu erzählen, meine Gefühle zu fühlen, mein Herz zu verstehen. Musik ist für mich pure Emotion, pure Seele, das Leben mit all seinen Farben. 

Ich liebe Musik besonders, wenn sie melancholisch und traurig ist. Wenn Texte von Schmerz handeln oder von schwierigen Wegen, von verlorener Liebe. Warum? Das haben mich schon einige Menschen aus meinem Umfeld gefragt. „Johanna, wie kannst du so traurige Musik hören, so schwermütige Lieder spielen. Da kann man doch selbst auch nur traurig werden, oder?“ 

Logischer Gedanke. Aber bei mir ist das anders. Musik ist für mich Zuflucht und Heimat, Liebe und Geborgenheit, Verständnis und ein absolut sicherer Ort! Hier kann mir nichts passieren. Sie ist meine Kathedrale, meine Stärke und meine Sprache. Meine Leidenschaft. Bei ihr kann ich meine tiefste Traurigkeit, Verletzlichkeit und Schwermut preis geben, ohne dass sie mir etwas entgegen stellt. Ohne, dass ich mich für irgend etwas rechtfertigen muss. Bei ihr kann ich meine Waffen fallen lassen und sein, wie ich bin, fühlen, was ich fühle. In der Musik kann ich Dinge verarbeiten und Emotionen ausleben, die ich im sozialen Umfeld von Angesicht zu Angesicht gar nicht zeigen könnte oder wollte. Dinge, die man nicht klar benennen kann, wie Sehnsucht beispielsweise. Ich fühle mich in den Molltönen so wohl, weil meine Seele ankommen kann. Hier werden meine Stimme und meine Hände zum Sprachrohr für mein tiefstes Inneres. Trotz Melancholie fühle ich mich nach einer Weile befreiter, leichter und verstanden.

Ein Paradoxon, könnte man meinen. Aber es ist meine Art, meiner Seele Luft zu machen. 

 

Die Musik schafft es aber auch, binnen von Sekunden, Erinnerungen in den buntesten Farben wieder zu beleben und das glücklichste Chaos los zu treten, was bis dahin noch brav im Zaum zu halten war. Sie weckt die größte Freude und Verrücktheit in mir, sodass ich mindestens für die Länge des Songs total hemmungslos durch drehe und mich nicht mehr bremsen kann. Am Besten funktioniert das mit meiner besten Freundin und dem Lied „You make me feel“ von Aretha Franklin oder „Lieber Gott“ von Marlon. Diese Songs haben unsere gemeinsame Kindheit begleitet und wir verbinden abenteuerliche Rollerfahrten und stundenlange Gespräche auf dem Fensterbrett damit. Wann immer diese Lieder laufen, gehen bei uns alle Lampen an und wir singen, lachen und springen, was das Zeug hält. Gerade Töne sind da absolut unwichtig. Hauptsache laut und ungehalten und zusammen. So schön. 

 

Ich liebe all diese verschiedenen Gesichter der Musik und am Ende ist sie doch das eine, große Ganze in mir. Ich kann mir defintiv kein Leben ohne sie vorstellen!