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Ich kenne die Sehnsucht sehr gut, aber wirklich benennen kann ich sie selten. Ich bin mir oft nicht sicher, ob ich sie liebe oder hasse. Denn sie verursacht so viel Gutes, aber auch so viel Schwermut. Aber ist das Leben letztlich ohne Sehnsucht nicht sinnlos? Brauchen wir als Menschen die Sehnsucht nicht dringend? Warum hat sie solch eine Gewalt über unsere Entscheidungen?

Zerleg ich das Wort, so komm ich schnell zu dem Schluss, dass Sehnsucht wohl bedeuten muss, süchtig danach zu sein, sich nach etwas oder jemandem zu sehnen. Sucht nach dem Sehnen. Ich denke ohne diese uferlose Sehnsucht in mir, hätte ich doch eigentlich kein Ziel oder? Denn ich sehne mich nach etwas, was noch nicht da ist. Was nicht greifbar ist. Und mit Hilfe von Liebe, Hoffnung und Leidenschaft tu ich doch alles, damit diese Sehnsucht gestillt wird. Am Ende ist doch alles, was ich im Leben tue darauf ausgerichtet, meine Sehnsucht auszufüllen. Ich möchte geliebt sein und all die Liebe schenken, die in mir ist. Ich sehne mich nach Zeit, Nähe, Glück, Freude, Frieden. Was macht ein Weg für einen Sinn, wenn am Ende nicht ein Ziel wartet? Also ist die Sehnsucht doch etwas Entscheidendes, etwas Unverzichtbares. 

Aber warum bringt sie so viel Schmerz mit sich? Wie oft stelle ich fest, dass ich vor Sehnsucht zerbreche, in Tränen aufgelöst bin oder mich ohnmächtig fühle, weil nichts danach aussieht, dass sie jemals erfüllt sein wird. Vielleicht kann sie das, weil sie unsere Seele ausmacht. Weil sie uns im Grunde antreibt, unsere Wege beeinflusst. Vielleicht kommt es auf das „Objekt“ unserer Sehnsucht an? Wechselt das denn ständig oder ist es letztlich nicht immer dasselbe? So viele Fragen.

Wasser, Wind und der Himmel sind für mich Bilder für die Sehnsucht. Für ihre Weite, ihre Wucht, ihre Tiefe und Endlosigkeit. Wann immer ich sie bewusst wahrnehme, spüre ich meine Sehnsucht so stark und die Schwermut begleitet sie fast zeitgleich. Wir bestehen aus über 70% aus Wasser, es ist lebensnotwendig, wir brauchen die Luft zum atmen und der Himmel schenkt uns Tag für Tag Tages- und Jahreszeiten, steht für viele Menschen für die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod und er umschließt uns. Ist das ein Zufall? Ich denke nicht. Ich denke die Sehnsucht ist genauso, wie diese drei. Zum Überleben nötig und dennoch ungezähmt und mit Sturm und Sonnenschein, Wellengang und Stille. Und so verstärkt sie auch jegliche Emotionen in uns. Alle.