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Ein Freund hat mal Folgendes gesagt: ‘Wenn du Dinge aus purer Leidenschaft tust, ist es völlig egal, wie wenig Zeit du hast und wie viel du um die Ohren hast. Wenn du leidenschaftlich Musik machst, setzt du dich auch nachts an dein Instrument und bist immer gewillt, besser zu werden, Dinge auszuprobieren. Du willst dein Können optimieren und deine Zeit einfach mit dieser Leidenschaft füllen. Komme, was wolle. Und es erfüllt dich und macht Freude, egal wie die Umstände aussehen.’

Diese Aussage hat mich zu einer für mich sehr leidenschaftsarmen Zeit mitten ins Gesicht getroffen und wach gerüttelt. Zu dieser Zeit bin ich in meinen Pflichten als Mama, Hausfrau und Ehefrau beinahe ertrunken und ich habe pausenlos nur funktioniert. Ich liebe meine Familie sehr und alles, was ich tue, tu ich mit meinem Herzen. Mir fehlte jedoch etwas sehr Entscheidendes in meinem Leben. Meine Leidenschaft. Dinge, die ich für mich tue, die mich zu 100% bereichern und meinen Tank auffüllen. Zu dieser Zeit habe ich sogar sehr wenig gesungen. Und kommt es soweit, steht es wirklich schlimm um meine Seele. Denn das Singen, die Musik ist meine absolut größte Leidenschaft, meine Sprache, meine Kathedrale, meine Zuflucht, mein Halt. In der Musik fühle ich mich angekommen und verstanden.

So war also dieser Kommentar zur Leidenschaft ein Schlüsselereignis zu Vielem, was ich heute mache, was ich verändert habe seit diesem Tag.

Das hatte mich ziemlich prompt dazu bewogen, endlich mit dem Instrument zu beginnen, was ich mein Leben lang schon spielen wollte, aber immer Ausreden hatte, warum es nicht die richtige Zeit dafür ist, warum ich das nicht kann usw. So ließ ich mir einen OnlineKurs zum Geburtstag schenken und begann vor garnicht all zu langer Zeit mit dem Klavier spielen. Nach ein bisschen Theorie und den ersten Übungen, haben die ersten Akkorde funktioniert und meine Stimme setzte wie automatisiert ein. Ich habe selten so eine Wucht von Leidenschaft gespürt. Ich war motiviert, wie nie zuvor, Neues auszuprobieren, neue Wege zu beschreiten. Es war, als würde ich endlich heim kommen. Ich hatte mein Instrument gefunden, meine Stimme wieder.  Eine ganz neue Art, meiner Musik Raum zu geben. Trotz zwei kleinen Kindern, Mann, Hund, Haus und was so dazu gehört, habe ich seitdem jeden Tag Zeit für meine Musik gefunden. Und wenn mein Hirn das Üben nicht so zulässt, wie ich es gern hätte, so spiele ich doch immer und immer wieder. Das Musik hören hat sich auf ein höheres Level gehoben und in allem sehe ich Melodien, höre Töne und mir kommen Geschichten und Bilder zu Liedern in den Kopf, auf viel intensivere Art und Weise als früher. Mir hat sich eine ganz neue Möglichkeit eröffnet, Lieder zu schreiben, meinen Gefühlen Namen zu geben. Und es erfüllt mich. Die Musik, das Instrument, das Singen, es ist noch viel mehr MEINS geworden und mit mehr Leidenschaft als je zuvor. Daraus entstanden ist der Wunsch danach, meine Gedanken lyrisch nieder zu schreiben. Auch ohne Melodie. Die Stille neu zu schätzen und fest zu halten, was mir in den Sinn kommt. Daraufhin merkte ich, dass Menschen in meinem Bekanntenkreis interessant finden, welche Zitate so in meinem Status zu sehen sind und ich hab plötzlich Gespräche über sehr entscheidende Dinge wie Liebe, ein lohnenswertes und glückliches Leben, Schmerz, den Worte nicht beschreiben können und Sehnsucht so wild, wie das Meer. Diese Nähe, die auf diese Art erschaffen wird, ist unvergleichlich und so wuchs der Wunsch weiter, all diese Dinge zu veröffentlichen und zu teilen.

Ins Rollen gebracht hatte dies alles das Statement eines Freundes und so will ich auch weiter geben, was mich bewegt. Denn weckt es die Leidenschaft in nur einem Menschen, so gewinnt dieser den wohl besten Antrieb für alles, was er tun will und tun muss. Verbringt man, laut einer Studie, nur 10% seiner Zeit mit Dingen, die zu 100% erfüllend sind, so fällt auch alles andere wesentlich leichter. Schöner Nebeneffekt, wie ich finde. Und ich kann es nur bestätigen. Ich schaffe alles andere viel schneller, seit ich wieder in der Leidenschaft lebe. Und mein Leben ist so viel lebenswerter und reicher geworden. Es gibt trotzdem immer noch dieselben Umstände, denselben Schmerz, dieselbe ungestillte Sehnsucht. Aber ich hab den entscheidenden Antrieb gefunden, weiter zu machen. Immer und immer und immer!